Der erste Tag in Grenoble

Veröffentlicht auf von Marion

Abfahrt und Busfahrt

 

Der Bus hatte nur auf uns gewartet und obwohl es noch nicht 14 Uhr war, fuhren wir los. Der Bus war eher leer, aber das änderte sich, je näher wir unserem Ziel kamen. Wir hielten in Bielefeld, Dortmund, Köln, Karlsruhe, Strasbourg, Dijon, bis wir letztendlich in Lyon ankamen. An Schlaf war kaum zu denken, was zum einen an der Enge, zum anderen aber auch am Busfahrer lag, der an jeder Station lautstark den Namen der Stadt brüllte und gnadenlos das Licht einschaltete. Uns kam es so vor, als ob er die Fahrgäste mitten in der Nacht im Nirgendwo absetzte...

Der Bus war zwar relativ voll, aber ich hatte das Glück, dass ich den Sitz neben mir auch benutzen konnte. In Lyon kamen wir am Samstag gegen 7.15 Uhr – am ganz normalen Busbahnhof - an. Wir mussten den Bus wechseln, etwas über eine Stunde warten und kamen gegen 11 Uhr in Grenoble an.


 

Endlich in Grenoble

Schwer beladen suchten wir unseren Weg zum Nahverkehr und fanden nach einer Weile heraus, dass die Wegbeschreibungen der Université veraltet waren. Chris und ich fuhren mit der Ligne A weiter bis zur Station Grande Place, wo wir dank einiger hilfsbereiter Einheimischer auch schnell unser Studentenwohnheim – Résidences Universitaires Olympiques – fanden.

 







Das Wohnheim

Da hier früher die verschiedenen Nationen untergebracht waren, tragen Gebäude Ländernamen. Das Büro war zum Glück besetzt und die Dame, die uns bediente, war viel hilfsbereiter, als sie merkte, dass wir Erasmusstudenten sind. Für die Ausgabe der Zimmerschlüssel benötigte sie folgende Dinge: diverse ausgefüllte Formulare, ein Passfoto (aha!), eine Kopie des Passes oder Personalausweises, Miete und Kaution (143 € Miete und 180 € Kaution), Bestätigung einer Assurance für das Zimmer, die man bei einer Bank beantragen kann. Man bekommt hier übrigens kein Wechselgeld; dieses wird mit der Miete zum nächsten Monat verrechnet.


Gespannt bezogen Chris und ich unsere Zimmer im dritten Stock – die Zimmer sind nicht renovées. Dementsprechend sehen sie auch aus: die Farbe blättert von den Wänden, die Schubladen fallen auseinander, im Spiegelschrank über dem Waschbecken fehlen sämtliche Regalbrettchen und eine Tür und ähnliches. Die Raumaufteilung ist für 9 m² in Ordnung, dafür haben wir sogar auch einen Balkon mit einer richtig schönen Aussicht.



 

 


 















Schlimmer jedoch sind Gemeinschaftsküche und -toiletten. In der sehr spartanischen Küche, die aus einem Waschbecken und zwei Kochfeldern besteht, gibt es weder Schränke, Mikrowelle, geschweige denn einen Kühlschrank. Am ungemütlichsten sind allerdings die Toiletten: Keine Waschbecken, keine Klobrillen, kein Toilettenpapier. Letzteres kann man leicht beheben, aber keine Klobrillen...?


Tagesplanung

Wir gingen zunächst ins nahegelegene Carrefour, um endlich etwas Richtiges zu essen. Dort kann man glücklicherweise alles bekommen: Möbel, Handys, Medizin, Lebensmittel, Klamotten etc. Es ist sehr praktisch, dass Chris und ich unsere Zimmer direkt nebeneinander haben, denn so können wir Geschirr, Putzmittel etc. zusammen kaufen.

Eigentlich wollten wir uns nun mit Flo treffen, um Grenoble anzuschauen und dann rechtzeitig zurückkehren, um die notwendigen Einkäufe zu erledigen. Aber als wir an sein studio klopften, war er gerade selbst im Carrefour, um sich mit Lebensmitteln etc. einzudecken. Also warfen wir unsere Tagesplanung um, kauften die wichtigen Sachen zuerst ein und gingen danach zusammen in die Stadt, aßen Crêpes, stießen auf Grenoble an und besuchten danach Flos Wohnung.

 

Einkaufen

Das Carrefour ist riesig. Es bietet eine immense Auswahl und wenn man richtig sucht, kann man sogar relativ günstig einkaufen. Wenn man nur lange genug sucht...
Man muss auch erst dahinter kommen, dass man sich nicht an jeder Kasse anstellen darf. Es gibt im Carrefour mindestens vier verschiedene Typen: 

-         bis zu 10 Teile

-         Schwangere, Alte und Behinderte 

-         Kreditkartenzahlung

-         Kundenkarteninhaber

Chris und ich mussten uns nur einmal neu anstellen, aber Flo meinte, er hätte sich vier Mal neu anstellen müssen, bis er endlich zahlen konnte.

Die Öffnungszeiten sind in etwa wie in Deutschland auch (Mo-Sa 9-20h).

 

Handys

Um mich für morgen besser mit Audrey verabreden zu können, habe ich mir am gleichen Tag noch eine französische Prepaid-Karte (prepayé ) gekauft. Eine Karte mit 5 € Guthaben kostet 30 €. Ein Handy mit Prepaid-Karte und 5 € Guthaben kostet 29 €. Ich habe mich also für letzteres entschieden.

 

Grenoble

Laut Stadtplan hat Grenoble 156.203 Einwohner mit mehr als 36.000 (!) Studenten. Es gibt sehr viele Wohnheime und Sportstätten, denn Grenoble war in den späten Sechzigern mal Austragunsort der olympischen Winterspiele gewesen.

Es gibt drei Trams und ca. 24 Buslinien. Für die Tickets braucht man unbedingt Kleingeld, man kann auch irgendwie mit Karte zahlen, aber wie genau das funktioniert, habe ich noch nicht herausgefunden. Die Bahnen sind sehr eng und meist überfüllt, dafür verkehren sie in kurzen Abständen.

Die Stadt ist rundum mit Bergen umgeben, sodass man ständig einen wunderschönen Blick auf die schneebedeckten Gipfel zwischen den Häusern erhaschen kann. Eine richtige Stadtbesichtigung haben wir heute nicht geschafft, deswegen ein andern Mal mehr.

 

Einrichten

Nach dem kurzen Besuch in Flos Appartement, zu dem man auch zu Fuß gut kommen kann, habe ich erst mal alle Möbeloberflächen geputzt und meine Koffer ausgeräumt. Den Kühlschrank werde ich im Winter nicht vermissen, aber sobald es wärmer wird, werde ich mir etwas überlegen müssen.

Flo kennt diese Probleme übrigens nicht, in seinem etwa 2-3 Mal so teuren Appartement hat er ein eigenes Bad, eine Kochnische mit Kühlschrank und Farbe an den Wänden. Sein Bett hat sogar einen Lattenrost (unsere haben ein Drahtgeflecht). Er kann auch die Temperatur seiner Heizung regulieren, im RUO geht das nicht, weil die Heizung keinen Drehknopf hat.

Wahrscheinlich haben wir uns aber bald daran gewöhnt, vor allem nachdem ich mich erst mal richtig eingerichtet habe. :)

Veröffentlicht in La vie en France

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